Erkältung: So bekommen Sie Ihren Husten in den Griff!

Peter Germann, Heilpraktiker, PhytAro Heilpflanzenschule Dortmund

Peter Germann, Heilpraktiker, PhytAro Heilpflanzenschule Dortmund

In der kalten Jahreszeit wird sie uns wieder überrollen – die jährlich gefürchtete Erkältungswelle. Daher werden in den kommenden Herbst- und Wintermonaten die wenigsten von uns von Husten, Schnupfen und Heiserkeit verschont bleiben. Gegen diese Symptome einer Atemwegsinfektion haben sich einige pflanzliche Mittel bewährt, die bei frühzeitigem Einsatz die Dauer der Erkältung verkürzen und typische Beschwerden wie Husten und Halsschmerzen lindern können. Das Geheimnis von Heilpflanzen liegt darin begründet, dass diese eine Vielzahl an Wirkstoffen enthalten, die beispielsweise gegen Bakterien und Viren wirken, entzündungshemmende Eigenschaften haben und das Immunsystem stärken können.

Herr Germann, Atemwegsinfektionen und Husten – gehört das zusammen wie Pech und Schwefel?

Das kann man so sagen: Nahezu jede Atemwegsinfektion bzw. umgangssprachlich ausgedrückt jede Erkältung geht mit dem Symptom „Husten“ einher. Denn die Erkältungsviren greifen die Schleimhäute in den Bronchien an, es kommt zu Entzündungsprozessen, die mit einer erhöhten Produktion von zähem Schleim verbunden sind. Dieser Schleim löst einen Hustenreiz aus. Das ist in der Regel auch gut so, denn durch den Hustenreiz können die Atemwege von Fremdkörpern oder eben vom vermehrten Schleim bei häufigen Virusinfektionen befreit werden. Somit ist Husten ein klassisches Symptom von Infektionen der Atemwege.

Es gibt aber auch Husten, der unabhängig von Infekten auftritt?

In 80 bis 90 Prozent der Fälle geht Husten mit einer Atemwegsinfektion einher. Da sich jeder Erwachsene im Durchschnitt 3mal im Jahr eine Erkältung einfängt stellen Infekte also die häufigste Ursache dar. Aber auch bei chronischen Erkrankungen der Atemwege wie z.B. COPD (chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung) oder Asthma, aber auch bei Rauchern, spielt Husten eine große Rolle. Husten tritt außerdem auch bei anderen Erkrankungen, die nicht in den Atemwegen lokalisiert sind, auf. Bei der sogenannten Reflux-Krankheit, die sich zudem durch saures Aufstoßen, Sodbrennen und Heiserkeit bemerkbar macht, ist chronischer Husten ebenfalls ein klassisches Symptom.

Ist Husten gleich Husten?

Man unterscheidet Husten nach Dauer und Art des Auftretens: Von akutem Husten spricht man, wenn sich der Husten nur zeitweise, beispielsweise im Rahmen einer Erkältung, bemerkbar macht. Akuter Husten sollte innerhalb von 8 Wochen wieder verschwunden sein. Als chronisch wird Husten eingestuft, wenn Betroffenen von Husten und Auswurf über drei Monate hinweg in zwei Folgejahren gequält werden. Zudem werden trockener Husten („Reizhusten“) und produktiver Husten mit Schleimbildung unterschieden.

Wie behandelt man Husten Ihrer Meinung nach am wirksamsten?

Hierbei gilt es erst einmal zu unterschieden, ob es sich um einen produktiven Husten mit Auswurf oder einen trockenen Reizhusten handelt. Bei der produktiven Form ist es wichtig, das Sekret zu verflüssigen, damit es abgehustet werden kann. Die Devise hier lautet also: Mindestens 2 Liter am Tag trinken! Zudem gibt es zahlreiche pflanzliche Mittel, die schleimlösende Eigenschaften haben, wodurch dieser leichter abgehustet werden kann. Solche schleimlösenden Effekte hat z.B. das Andornkraut des weißen Andorns (Marrubium vulgare L.)1, das jüngst von der Forschungsgruppe Klostermedizin der Universität Würzburg zur Arzneipflanze des Jahres 2018 gewählt wurde. Zudem wirkt Andornkraut krampflösend2,3 und antientzündlich4,5. Aber auch die Inhalation ätherischer Öle von Pflanzen wie z.B. Thymian können die Beschwerden lindern. Bei trockenem Reizhusten lösen entzündete und gereizte Schleimhäute der Atemwege den Hustenreflex aus. Hier werden Präparate eingesetzt, die den Hustenreiz stillen (Antitussiva). Bewährt haben sich unter anderem Mittel mit Spitzwegerichkraut. Hilfreich sind auch Inhalationen, um die trockenen Schleimhäute zu befeuchten.

„Abwarten und Tee trinken“ – wie dem Sprichwort nach empfohlen, ist Ihrer Ansicht nach also nicht der Königsweg?

Wenn wirksame pflanzliche Mittel bekannt sind sollten diese auch eingesetzt werden. Dies gilt zum einen, um sich Erleichterung bei quälendem Husten zu verschaffen, zum anderen um den Verlauf einer Erkältung positiv zu beeinflussen. Denn bei frühzeitigem Einsatz bestimmter pflanzlicher Präparate kann die Krankheitsdauer verkürzt und die Ausprägung der Symptome gelindert werden. Knoblauch oder auch senfölhaltige Arzneipflanzen, wie zum Beispiel Kapuzinerkresse, wirken nicht nur gegen Bakterien und Viren, sondern auch antientzündlich. Die Senföle lindern damit die Erkältungsbeschwerden und hemmen zugleich die krankheitsverursachenden Erreger in ihrem Wachstum.

Welche Tipps haben Sie für Ihre Patienten, um möglichst husten- und erkältungsfrei durch die kalte Jahreszeit zu kommen?

Ich setzte vor allem auf Empfehlungen, die zur Stärkung des Immunsystems und Vermeidung von Infektionen beitragen. Bei zuletzt genanntem Punkt spielt für mich die Hygiene eine entscheidende Rolle: Durch regelmäßiges Händewaschen schützt man nicht nur sich selbst, sondern auch seine Mitmenschen vor Ansteckung. Auch hygienisches Husten in die Armbeuge verhindert die Weitergabe von Erkältungsviren. Wichtig ist zudem ausreichend Bewegung an frischer Luft: Zum einen vermeidet man somit trockene Heizungsluft, die Erkältungen zusätzlich begünstigt, da sie die Schleimhäute austrocknet und in ihrer Abwehrfunktion hemmt, zum anderen trägt frische Luft und Bewegung zur Stärkung des Immunsystems bei. Hier kommen Pflanzen wie der Rote Sonnenhut (Echinacea purpurea) oder der Wasserdost beziehungsweise Wasserhanf (Eupatorium cannabinum) in Frage. Letzterer weist besonders viele ätherische Öle auf. Eine uralte Methode zur Anregung der körpereigenen Abwehr im Frühjahr ist folgende: die Löwenzahn- Stängelkur. Solange die gelbe „Kuhblume“ auf dem Löwenzahn sitzt, sollte man über 1 Woche pro Tag 6-8 Stängel auf einmal ohne Blüte essen. Die Milch im Stängel ist nicht giftig, allerdings schmeckt alles sehr bitter. Seit Jahrhunderten bewährt, ganz einfach und kostengünstig sowie ohne Therapeut durchzuführen. Was will man noch? Bitte den Löwenzahn da sammeln, wo nicht alle Hunde ausgeführt werden! Zudem weise ich Raucher darauf hin, bei Husten nach Möglichkeit auf Nikotin zu verzichten.

 
  1. Community herbal monograph and assessment report on Marrubium vulgare L., herba. European Medicines Agency (EMA), Committee on herbal medicinical products (HMPC)/604273/2012 (2012)
  2. Yousefi K. et al.: Marrubium vulgare L. methanolic extract inhibits inflammatory response and prevents cardiomyocyte fibrosis in isoproterenol-induced acute myocardial infarction in rats. BioImpacts: BI 4.1 (2014)
  3. Kanyonga, PM. et al.: Assessment of methanolic extract of Marrubium vulgare for antiinflammatory, analgesic and anti-microbiologic activities. J Chem Pharm Res 3 (1): 199-204 (2011)
  4. Jorge, VG. et al.: Vasorelaxant effect of ethanolic extracts from M. vulgare: Mexican medicinal plant as potential source for bioactive molecules isolation. Indo Global Journal of Pharmaceutical Sciences (2013)
  5. Schlemper, V. et al.: Antispasmodic effects of hydroalcoolic extract of Marrubium vulgare on isolated tissues. Phytomedicine 3 (2): 211–216 (1996)

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